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Ausrutscher

Geschrieben von am 13. Dezember 2010

Am Freitag, dem zehnten Dezember machte ich mich dann auf den Weg nach Sydney. Ich hatte beschlossen, dieses Mal über die Inlandsroute zu fahren, um mal ein wenig was anderes zu sehen als auf dem Hinweg. So fuhr ich dann zum New England Highway, dem ich einige hundert Kilometer folgen wollte. Gegen Abend fing es an zu schütten wie aus Eimern und ich fasste den Entschluss, irgendwo im nächsten Ort die Nacht zu verbringen. Doch dazu sollte es dann leider nicht mehr kommen.

Denn nach einer Hügelkuppe, die ich etwas zu schnell überquert hatte, da das Auto dazu neigt, klang heimlich schneller zu werden, passierte es: Das Auto fing an zu schwimmen und rutschte auf die andere Fahrbahn. Ich riss das Lenkrad herum, da ich keineswegs die Absicht hatte, zum Geisterfahrer zu werden oder durch die Leitplanke gegen einen Baum zu rauschen. Nur war das dann ein wenig zu viel des Guten und ich knallte auf der linken Straßenseite in die Böschung. Dort rutschte ich dann noch etwa fünfzig Meter entlang und nahm auch noch einen größeren Stein mit, der sich in meinen Kofferraum bohrte. Immerhin sorgte er dafür, dass ich ein weiteres Mal herumschleuderte und dann endlich vorwärts an der Seite der Straße zum Stehen kam.

Allerdings kann ich mich an den Ablauf des Unfalls nicht mehr wirklich erinnern, sodass der beschriebene Ablauf eine Rekonstruktion aus dem Zustand des Autos und der Umgebung darstellt. Es ging alles recht schnell und möglicherweise hat mich der Zusammenstoß meines Kopfes mit dem Lenkrad (so etwas wie einen Airbag gab es in dem alten Auto nicht) für kurze Zeit ins Traumland befördert. Mir jedenfalls ist nichts weiter passiert, außer dass ich ganz ordentliche Kopfschmerzen hatte (so manch einer würde wohl einem Schutzengel die Schuld dafür geben). Ich war jedenfalls recht überrascht angesichts des Zustands meines geliebten Autos, meinem mobilen Zuhause. Denn meine Unversehrtheit passte nicht wirklich zum Befinden meiner Karre.

Zunächst fiel mir auf, dass das Lenkrad kaputt war und nachdem ein Auto vor mir anhielt und eine besorgte Frau ausstieg, um nach mir zu schauen, stellte ich fest, dass die Tür sich nicht öffnen lassen wollte und ziemlich verzogen aussah. Es stellte sich heraus, dass sämtlich anderen Türen ebenfalls versiegelt waren, sodass ich also zum Fenster heraus kletterte. Nachdem ich der Dame versichert hatte, dass ich in Ordnung sei, und mein Gesicht auf heimliche Blutströme geprüft hatte, klaubte ich meine wichtigsten Besitztümer und Dokumente zusammen und stieg ihr Auto ein. Sie setzte mich dann an der Kneipe/Motel vom nächsten Ort ab und rauschte, nachdem ich mich angemessen bedankt hatte, davon.

Terry, ein älterer Farmer aus der Gegend, fuhr dann zurück zum Auto mit mir, damit ich meine ganzen Sachen herausholen konnte. Dort konnte ich dann ein erstes Mal meine Misere im ganzen Ausmaß bewundern. Die Reifen waren allesamt ebenso im Eimer wie die Türen, der Kofferraum war zur Hälfte komprimiert, die Heckscheibe lag dreißig Meter hinter dem Auto wie auch einige meiner Besitztümer, aber der Motor war noch in Ordnung (Yay!). Nachdem ich alles verladen hatte, tauchte leider die Polizei auf, um den Unfall zu Papier zu bringen. Leider aus dem Grund, dass sie der Auffassung waren, dass ein geschrottetes Auto nicht Strafe genug war und sie mir zusätzlich noch einen Strafzettel für fahrlässiges Fahren über stolze 344 Dollar aufbrummten. Vielen Dank auch meine lieben Freunde und Helfer! Hier habt ihr noch ein paar Bilder, damit ihr auch angemessen staunen könnt:

So verbrachte ich also meine Nacht im beschaulichen Deepwater Inn. Ich nutze die kostenlosen Waschmaschine und Trockner, um alle meine größtenteils durchnässten Klamotten wieder auf Vordermann zu bringen. Ich sortierte einige Sachen aus, die ich nicht mehr brauchte, denn ich war nicht gerade mit leichtem Gepäck gereist - in einem Auto ist viel Platz... Am nächsten Morgen erkundigte ich mich dann, wie ich aus diesem Kaff nach Sydney kommen konnte. Es stellte sich heraus, dass jeden Morgen ein Bus zum Bahnhof im nächsten größeren Ort fuhr, den ich natürlich verpasst hatte. Immerhin hatte ich so mehr Zeit zu kramen und ich wollte zum Geld sparen im Zelt schlafen, denn Campen kostete nur zwei Dollar. Die nette Frau an der Rezeption meinte es wäre schon in Ordnung, wenn ich einfach noch eine Nacht im Zimmer schlafen würde, da die Besitzer sowieso nicht da waren.

Ich lernte Butch und Steve kennen, zwei ältere Australier, die im Motel wohnten, der eine weil seine Frau ihn raus geschmissen hatte und der andere, weil er gerade erst in die Gegend gezogen war und noch kein Haus hatte. Die beiden waren jedenfalls super hilfreich und freundlich. Steve machte sich auf die Suche nach jemandem, dem ich mein Auto verkaufen konnte und der es für mich abschleppen würde. Butch bezahlte mir zwei Nächte im Motel, die jeweils stolze 35 Dollar kosteten. Ich bekam diverse Biere spendiert und am Samstag Abend nahmen die beiden mich mit zu einer Geburtstagsfeier, wo ich noch mehr liebenswerte Australier kennen lernte. Obwohl ich weder das Geburtstagskind noch irgendjemand anderes kannte, wurde ich freundlich empfangen und genoss einen angenehmen Abend mit Grillen, Bier, Billard und interessanten Gesprächen.

Da das Auto ja leider immer noch nicht offiziell mir gehört, war das Verkaufen recht kompliziert. Denn ich habe weder einen Kaufvertrag, noch ist das Auto auf mich registriert. Der offizielle Vertrag, der das Auto von seinem vorherigen Besitzer an Nick übergibt, wurde zusammen mit seiner Laptoptasche gestohlen (nachzulesen in Nicks Blog). Also hatte ich nichts in der Hand, um offiziell nachzuweisen, dass das Auto mir gehört. Und der offizielle Besitzer in Deutschland war nicht zu erreichen. So reiste ich dann am Montag Morgen unverrichteter Dinge weiter, mit einer mündlichen Abmachung, das Auto für 100 Dolar and Steve zu verkaufen, der es dann abschleppen würde. Denn scheinbar gab es jemanden, der genau so einen Motor brauchen konnte.

Insgesamt kann ich mich nicht beschweren. Ich habe verdammt viel Glück gehabt, dass ich unverletzt bzw. sogar noch am Leben bin. Ich habe australische Gastfreundschaft und absolut unverdiente selbstlose Hilfe erfahren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nicht immer alles so glatt geht, wie man sich das vorstellt oder plant. Ich bin dankbar für den Arschtritt des Lebens, der mich etwas aus meiner Bequemlichkeit herausgerissen hat. Es ist auch ein gutes Gefühl, auf andere angewiesen zu sein und Hilfe zu bekommen. Wobei meine euphorische Stimmung nicht allzu lange angehalten hat, denn als ich dann im Zug nach Sydney saß, war mir schon etwas mulmig zumute. Ich war auf dem Weg in eine Stadt, wo ich weder ein Zuhause noch einen Job hatte, ich hatte fast kein Geld mehr und mein ursprünglicher Plan, einfach im Auto zu schlafen, bis ich irgendwas gefunden hatte, war ja leider Geschichte. Und zu alledem hatte ich noch einen Berg Gepäck mit mir, mit dem ich schwerlich einfach auf der Straße schlafen konnte. Und Zelten mitten in einer Großstadt war auch keine wirkliche Option. Naja, mehr dazu erfahrt ihr dann in der nächsten Episode...

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